Poterie de la Colombe

Geschichte

Von Marcel und Madeleine Brault nach Orriule

Die Geburt eines Ortes, familiäre Weitergabe, dann Wiedergeburt — seit 1960.

„Die einzige Konstante ist der Wandel — und er entsteht in Demut und Arbeit.“

Die Geschichte der Poterie du Colombier (so hieß sie anfangs, später wurde daraus die Poterie de la Colombe) beginnt mit der Begegnung zweier Männer im Jahr 1958 in Marokko: Marcel Brault, damals Direktor einer marokkanischen Tageszeitung, und Claude Pantzer, ein junger modernistischer Keramiker, Reisender und Mitarbeiter von Charlotte Perriand.

Chilou und Madeleine — Formen von Vasen, 1980
1958 — Eine entscheidende Begegnung: Claude Pantzer

In den Salons eines Hotels in Rabat macht Marcel eine entscheidende Bekanntschaft. An diesem Tag stellt Claude Pantzer seine Werke aus. Marcel und Claude sprechen miteinander, treffen sich wieder — und eine Freundschaft entsteht.

Claude fährt eine 2CV. Marcel fährt einen Jaguar. Marcel gibt Claude seine Leidenschaft für schnelle Autos weiter.

Doch Claude bringt noch ein anderes Tor: die Keramik. Er führt Madeleine in die Kunst der Glasuren ein. Pigmente, Rezepte, Schichtstärken, Tests, Überraschungen aus dem Ofen, Beherrschung der Brennprozesse… Dieses Know-how wird zu einer der Signaturen des Hauses.

1960 — Der Tag, an dem in Orriule alles kippt

1960 verlassen Marcel und Madeleine Brault mit ihrer Familie Marokko, ziehen in den kurz zuvor gekauften Bauernhof in Orriule und gründen eine Töpferwerkstatt — mit Claude Pantzer als ihrem „Meister“.

Es beginnt eine Zeit harter Arbeit, in der Marcel und Madeleine alles über die Grundlagen der Keramik lernen.

Luftaufnahme der Poterie de la Colombe — 1960
1960 — Der letzte Töpfer von Laàs und der weiße Ton

Kaum in Orriule angekommen, bekommen Marcel und Madeleine Besuch: Der letzte Töpfer aus dem Nachbardorf Laàs kommt vorbei. Er erzählt ihnen von einer kostbaren Ressource rund um Orriule: weißer Ton, der in der Gemeinde vorkommt und ihnen helfen kann.

Diese Entdeckung ist ein entscheidender Startpunkt. Sie öffnet auch den Weg zur späteren Fliesenproduktion.

Ansicht der Poterie de la Colombe — 1960er Jahre
Anfänge — Von der Töpferei zu den Fliesen

Marcel und Madeleine beginnen zunächst mit Töpferei. Doch am Anfang funktioniert es nicht: Die Verkäufe bleiben aus.

Dann stellen sie Fliesen her — zunächst nur für ihr eigenes Haus, mit dem lokalen Material. Das Ergebnis gefällt. Mundpropaganda tut ihr Übriges: Schnell fragen erste Kundinnen und Kunden nach Fliesen für ihre Häuser.

Um die Nachfrage zu bedienen, stellen Marcel und Madeleine Landwirte aus dem Dorf ein. Die Tätigkeit wächst und beschäftigt schließlich rund 50 Personen.

Bau der Werkstatt
1961–62 — Von der Produktion zum Aufbruch

Mit Claude Pantzer richtet sich die Idee auf Keramikfliesen und Mosaike aus. Pigmente, Mischungen, Brennverfahren: Das Know-how wird aufgebaut.

Die Projekte vervielfachen sich: Hotels, öffentliche Gebäude, Privathäuser. Eine Dynamik entsteht.

1962 — Das Schicksal schlägt zu

Claude Pantzer stirbt 1962 bei einem Autorennen, kurz nach dem Start.

Ohne Claude machen Marcel und Madeleine trotzdem weiter. Sie halten den Ort durch Arbeit und Ausdauer am Leben.

Claude Pantzer und Marcel — Erinnerung an den Motorsport
1968 — Maison Carré und Roger Capron

Die Werkstatt wächst sehr schnell — und dieses Wachstum bringt technische Probleme mit sich. Um die Tätigkeit abzusichern, wendet sich Marcel um 1968 an seinen größten Kunden: Maison Carré in Paris.

Durch diese Nähe treffen Marcel und Madeleine auch Roger Capron, einen renommierten Keramiker. Es entstehen Kooperationen, insbesondere rund um Projekte für das Hotel Byblos in Saint-Tropez.

Später übernimmt das Unternehmen Carré einen Teil der handwerklichen Aktivität.

Madeleine: die Seele der Poterie de la Colombe

Madeleine nähert sich dem, was zur Seele des Ortes wird: der Töpferei. Ihr Gespür für Pigmente und ihre Meisterschaft der Glasuren entfalten sich vollständig. Die Werkstatt trägt schließlich ihren Namen: Poterie de la Colombe.

Madeleine macht Farbe zu einer Sprache. Die Töpferei schenkt ihr Freiheit: Formen, Oberflächen, Nuancen — und das Unvorhersehbare, das das Feuer offenbart.

Kreationen: Teller, Schalen, Platten, Vasen, Tassen, Krüge, Waschbecken, Kunstobjekte

Das „Chinesischblau“ — ein tiefes Blau, der rote Faden in Madeleines Werk.

Madeleine — manuelles Glasieren
1970er Jahre — Aufschwung und Ausstrahlung — Internationaler Export

Die 1970er Jahre sind eine Blütezeit: Die Töpferei entwickelt sich stark, in einem halb-industriellen Handwerk — mit Maschinen, von denen einige noch heute vor Ort existieren.

Die Poterie de la Colombe überschreitet den lokalen Rahmen: Ein Teil der Produktion wird exportiert, insbesondere in die USA und nach Deutschland.

Kennzahlen: ~20 Mitarbeitende · Export USA · Export Deutschland

Vertrieb: Der Verkauf läuft über mehrere Galerien und Geschäfte, insbesondere in Vallauris und Saint-Jean-de-Luz, Seignosse und Paris.

Produktion — 1970er Jahre
1978 — Energie verändert alles

Um 1978 beginnen steigende Energiekosten — im Kontext des zweiten Ölpreisschocks — die Tätigkeit zu belasten. Töpferei und Brennen werden teurer, die Balance wird fragiler, Anpassungen werden nötig.

1980er Jahre — Krise, Anpassung, dann Weitergabe

In den 1980ern nimmt das Interesse am französischen Handwerk ab und die Aktivität schrumpft im Umfang, trotz einer Nachfrage, die bei Händlerinnen und Händlern real bleibt.

Und doch bleibt die Leidenschaft ungebrochen. Marcel dreht weiter, und Madeleine glasiert — insbesondere die großen flachen Teller, ein Erfolg der Werkstatt.

In dieser Zeit tritt Benoît Brault auf den Plan, der jüngste Sohn von Marcel und Madeleine. Er entscheidet sich, das Familienabenteuer weiterzuführen. Er gründet Formes & Décors Céramiques und entwickelt wichtige Fortschritte bei Abziehbildern („Chromos“) und bei der Formulierung technischer Keramiken.

Während er das physische, intellektuelle und emotionale Erbe seiner Eltern bewahrt.

Sophie — Les Jardins de Sophie

Sophie, die älteste Tochter von Marcel und Madeleine, erfindet eine Serie, die zum Klassiker wird: „Les Jardins de Sophie“ — eine Reihe von Chromos mit blau-weißen Motiven, um „den Garten auf den Teller zu bringen“.

Diese Stücke begeistern viele Besucherinnen und Besucher des Werksladens in Orriule.

Heute — Zurück zum Ton: das Wesentliche neu starten

Heute schlägt Benoît den Weg zum Ton wieder ein: Pigmente überarbeiten, zu den Bestsellern zurückkehren und eine handwerkliche Produktion ikonischer Stücke neu starten.

Eine Auswahl an Referenzen in Chinesischblau, Madeleines Lieblingspigment.

Die Poterie de la Colombe wird wieder lebendig: durch Hand, Farbe und Weitergabe.

„Die einzige Konstante ist der Wandel — und er entsteht in Demut und Arbeit.“ — Familie Brault
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